|| 16.11.2007 || Kostenanstieg um 25 Prozent bis 2020 erwartet
Demografische Entwicklung verschärft Problem der altersbedingten Mangelernährung dramatisch. Dies ist ein wesentliches Ergebnis der diesjährigen Jahrestagung der DGG in Nürnberg. Der diesjährige Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG) stand unter dem Motto "Alter als gesellschaftliche Herausforderung". Angesichts der demografischen Entwicklung verlangen die altersbedingte Mangelernährung und die damit verbundenen gesundheitsökonomischen Kosten unsere besondere Aufmerksamkeit. Die Zusatzkosten, die Mangelernährung für die Kranken- und Pflegeversicherung jährlich verursacht, belaufen sich schon heute auf 8,9 Mrd. Euro. Bis zum Jahr 2020 ist mit einem deutlichen Kostenanstieg um fast 25 Prozent zu rechnen. Eine Podiumsdiskussion unter dem Vorsitz von PD Dr. Dorothee Volkert und Dr. Jürgen Bauer erörtert das Thema gemeinsam mit Krankenkassenvertretern und Altersmedizinern.Nicht nur Krankheit, sondern auch die Lebensumstände, in denen sich Ältere Menschen häufiger befinden – wie Einsamkeit, Verlust des Lebenspartners, damit einhergehender Appetitverlust – verursachen Mangelernährung. Während für die allgemeine ältere Bevölkerung Prävalenzen von fünf bis zehn Prozent angenommen werden, sind in der Geriatrie bis zu 60 Prozent der Patienten von Mangelernährung betroffen. Die DGG und andere wissenschaftliche Fachgesellschaften wie die Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM) haben als eine der Ursachen das mangelnde systematische Screening des Ernährungszustands Älterer ausgemacht. In vielen Krankenhäusern wird das Gewicht der Patienten nur vereinzelt dokumentiert. Signifikante Senkung der Mortalität Laut Dr. Jürgen Bauer, Oberarzt der Geriatrie am Städtischen Klinikum Nürnberg, haben Untersuchungen ergeben, dass eine flankierende Ernährungstherapie den Allgemeinzustand und die Funktionalität erhalten und im Einzelfall sogar verbessern kann. "Durch den gezielten Einsatz von Trinknahrung konnte in Studien das Mortalitätsrisiko signifikant gesenkt werden", betont Bauer. Eine demografische Zeitbombe? Bis zum Jahr 2020 werden sich die Kosten aufgrund der demografischen Entwicklung auf etwa 11 Milliarden Euro pro Jahr erhöhen, prognostiziert der Münchner Ökonom Klaus W. Uedelhofen, der eine gesundheitsökonomische Studie1 zum Thema vorlegte. Allein im Pflegebereich steigen die zusätzlichen Kosten bei Mangelernährten bis 2020 auf 3,8 Milliarden Euro, was einem Anstieg um 46 Prozent entspricht. Lediglich ein Drittel aller mangelernährten Patienten wird momentan mit klinischen Ernährungskonzepten behandelt. Durch den frühzeitigen Einsatz von Trinknahrung lassen sich für das öffentliche Gesundheitswesen enorme Einsparpotenziale realisieren. Das Ziel, so Uedelhofen, müsse eine Stärkung des gesellschaftlichen Bewusstseins für Mangelernährung und Ernährungstherapie sein. Dabei sei die aktuelle Diskussion um die Erstattung klinischer Ernährung jedoch eher hinderlich. Uedelhofen fasst zusammen: "Nur durch verbesserte Information und Einbeziehung der Patienten können diese und ihre Angehörigen ernährungsrelevante Maßnahmen ergreifen, die die Krankheitssituation und Lebensqualität verbessern". Konsequenzen für Kostenträger und Politik Auf das Motto des DGG-Kongresses bezogen bedeutet das: Wenn Kostenträger und Politik das Alter als gesellschaftliche Herausforderung wirklich ernst nehmen, dann sollten sie nicht bei der Erstattungsfrage stehen bleiben, sondern die Vorteile eines systematischen Managements krankheitsbedingter Mangelernährung in den Vordergrund ihres Handelns stellen. Für Altersmediziner Bauer steht fest: "Die Ernährungssituation muss künftig integraler Bestandteil der Anamnese und des Qualitätsmanagements werden. Dies sollte insbesondere für den älteren Patienten gelten".
Quelle / Website: http://www.mangelernaehrung.info/cms/presse/artikel/2007-11-16.php
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